Erbrechen

Erbrechen kommt im Kindesalter sehr häufig vor. Es kann Ausdruck eines harmlosen Unwohlseins, aber auch ein Anzeichen einer lebensbedrohenden Erkrankung sein.

So kann akutes Erbrechen bei einer Blinddarmentzündung oder einem plötzlichen Darmverschluss auftreten. Schon ein Verdacht darauf muss vom Arzt überwacht werden.

Hinter ständigem Erbrechen im Kindesalter kann auch eine Fehlbildung des Magen-Darm-Trakts stecken. Aber nicht jedes Ausspucken von Mageninhalt gilt als krankhaftes Erbrechen. Je jünger ein Kind ist, desto häufiger spuckt es, weil zu viel Nahrung in seinem Magen ist. Kleine Mengen Nahrung werden dann nach der Nahrungsaufnahme wieder ausgespuckt. Dieses Spucken hat nichts zu tun mit dem schwallartigen Erbrechen beim Magenpförtnerkrampf oder -verschluss.

Die häufigste Ursache für Erbrechen im Kindesalter ist ein Magen-Darm-Infekt. Diesen müssen sie mit und ohne Erbrechen durch Zufüttern von gekauften oder selbst gemachten Elektrolyttees behandeln. Ihr Kind muss mindestens 200 ml Tee pro Kilogramm Körpergewicht in 24 Stunden trinken. Durch das viele Erbrechen kommt es sonst zu einer Störung des Mineralhaushaltes im Körper und zu einem typischen Mundgeruch nach Aceton (Ketonkörper). Dieser Ketonkörperanstieg im Blut reizt das Brechzentrum im Hirn und führt zu einem unstillbaren Erbrechen. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Kind auch sobald wie möglich zu einem Arzt gehen, wenn es sich rasch und wiederholt erbricht.

Hinweis:
Hinter jedem Erbrechen mit Bauchschmerzen kann sich eine Blinddarmentzündung oder ein Darmverschluss verbergen. Bei morgendlichem Erbrechen auf nüchternen Magen – mit oder ohne Kopfschmerzen – kann in seltenen Fällen ein Hirnturmor die Ursache sein. Lassen Sie dies immer sofort von einem Arzt abklären

Erbrechen bei Babys
Säuglinge erbrechen sich sehr leicht. Dahinter kann eine ganz harmlose Störung stecken, aber auch eine lebensgefährliche Erkrankung.

Erbricht ein Säugling bei jeder Flüssigkeitsaufnahme direkt nach der Geburt, kann eine Fehlbildung (Verengung) in der Speiseröhre dafür verantwortlich sein. Auch eine Zwerchfelllücke im Bereich des Mageneingangs, die den Mageninhalt in die Speiseröhre (Reflux) zurücklaufen lässt, kommt in Betracht.

Tritt das Erbrechen wenige Wochen nach der Geburt immer im Zusammenhang mit dem trinken oder kurz danach schwallartig auf, ist das ein Anzeichen für eine Verkrampfung oder Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose).

Manche Säuglinge beginnen ab dem 3. bis 4. Monat nach der Geburt ohne Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme kleinere oder größere Mengen zu erbrechen. Dabei stecken sie sich häufig noch die Hand in den Mund. Dieses lustbringende Erbrechen wird Ruminieren (Wiederkäuen) genannt. Es hört auf, wenn das Baby abgelenkt wird.

Akutes galliges und blutiges Erbrechen ohne eine Vorerkrankung kann auf eine Darmverschlingung oder einen Darmverschluss hindeuten, was sofort vom Arzt abgeklärt werden muss. Das harmlose Erbrechen (habiuelles Erbrechen) wird fast immer duch zu vieles, zu hastiges und zu häufiges Trinken hervorgerufen. Es zeigt sich durch eine ständiges, handvolles Erbrechen direkt nach dem Essen oder noch 2 bis 3 Stunden hinterher. Gedeiht Ihr Kind dabei gut, müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Was können Sie selbst tun?
Babys mit habituellem Erbrechen brauchen eine ruhige trink- und Stillumgebung. Sie sollen nicht zu hastig trinken und häufig Trinkpausen zum Aufstoßen einlegen. Dies gilt auch bei Verdacht auf eine Refluxerkrankung.

Bei schwallartigem Erbrechen und Verdacht auf Magenausgangskrämpfe (Pylorusstenose) braucht das Baby häufige und kleine Mahlzeiten. Diese Kinder haben Heißhunger, trinken hastig und nehmen an Gewicht ab. In vielen Fällen muss eine Pylorusstenose operiert werden.

Erbricht Ihr Baby, indem es „ruminiert“, wenden Sie sich ihm intensiv zu und dicken Sie seine Nahrung an. Hilft das nicht, fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Was wird der Arzt tun?
Das Neugeborenen-Erbrechen mit Verdacht auf Fehlbildungen im Bereich der Speiseröhre kann nur in einer Klinik geklärt werden. Das Gleiche gilt bei Verdacht auf Darmverschlingung oder Darmverschluss. Bei Verdacht auf eine Reflux- oder Magenpförtner-Erkrankung muss das Baby zum Kinderarzt oder in die Klinik. Beim Reflux und Magenausgangkrampf kann eine Operation notwendig werden. Babys mit akutem, unklarem oder auch blutigem erbrechen, hartem Bauch und offensichtlich starken Schmerzen müssen sofort zum Kinderarzt oder in die Klinik. Es kann sich hierbei um eine Darmverschlingung oder einen Darmverschluss handeln.

Bei jedem anhaltenden oder unklaren Erbrechen wird Ihr Kinderarzt eine Ultraschall-Untersuchung des Bauchraumes veranlassen, um die Ursache zu erforschen, die Diagnose abzuklären und die notwendigen Schritte zur Behandlung einzuleiten. Beim habituellen (harmlosen) Erbrechen wird der Arzt Ihnen Ratschläge geben, wie Sie Ihr Baby besser füttern und hinlegen können.

Quelle: Kinderkrankheiten, Dr. Keudel

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