Mittelohrentzündung

Die Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten im Kindesalter. Bis zu 90 Prozent der Kinder haben in den ersten drei Lebensjahren mindestens einmal eine Otitis media, ein Drittel der Kinder sogar bis zu dreimal. Die meisten Mittelohrentzündungen treten im Alter von 6 Monaten bis 6 Jahren auf, vor allem in den Monaten Dezember bis März.

Die altersbedingt zarte und enge Belüftungskanal des Mittelohrs hin zum Nasen-Rachen-Raum (Tuba Eustachii) sowie die in jungen Jahren großen Rachenmandeln (Adenoide/Polypen) führen bei jeder Erkältung der oberen Luftwege zu einer entzündlichen Schwellung der Schleimhaut, die die Tuba verschließen kann. Dies führt zu Sekretstau und Entzündungen im Mittelohr.

Obwohl die Erreger einer Mittelohrentzündung sehr oft Bakterien sind, kommt es häufig zu einer Selbstheilung. Aber bei 20 Prozent der Erkrankungen treten Komplikationen auf mit einem Trommelfelldurchbruch (Perforation), einer Entzündung der Warzenfortsätze des Schädelknochens (Mastoiditis). Oder es kommt zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis).

Meist geht der Mittelohrentzündung ein Atemwegsinfekt durch Viren voraus. Während oder nach diesem Infekt treten plötzlich Fiber und Ohrenschmerzen auf. Säuglinge und Kleinkinder reagieren darauf mit Schreiattacken, Unruhe und greifen sich ans Ohr und reiben es. Häufig trinken sie schwach und erbrechen. Erst ab dem 4. Lebensjahr klagen die Kinder über einen „Hörverlust“. Je älter ein Kind ist, desto schwächer sind die Symptome für eine Mittelohrentzündung. Durch den Sektretstau wölbt sich auf dem Höhepunkt der Erkrankung das Trommelfell vor und kann durchbrechen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Entzündung in das Knochengewebe der Umgebung ausbreitet.

Was können Sie selbst tun?
Sie können versuchen, die Symptome mit Schleimlösern, abschwellenden Nasentropfen, fieber- und schmerzstillenden Zäpfchen oder Säften sowie mit Zwiebelumschlägen selbst zu behandeln. Besser ist ärztliche Hilfe.

Was wird der Arzt tun?
Da häufig Bakterien hinter einer Otitis media stecken und die Komplikationsgefahr sehr hoch ist, sollte jedes Kind mit einer Mittelohrentzündung oder dem Verdacht darauf zum Arzt. Es gibt keine Untersuchung, nach der entschieden werden kann, ob eine Mittelohrentzündung von selbst heilt oder ob sie zu Komplikationen führen kann. Deshalb ist es besser, wenn alle Kinder – insbesondere in den ersten 2 bis 3 Lebensjahren – mit Antibiotika behandelt werden. Entscheidet sich der Arzt am Anfang der Behandlung noch gegen eine Antibiotikum, wird er das Kind innerhalb von 48 bis 72 Stunden erneut untersuchen. Ist dann keine Besserung eingetreten, wird es ein Antibiotikum verschrieben. Bei einer chronischen Mittelohrentzündung werden meist die Rachenmandeln entfernt, damit es zu einer Ausheilung kommt.

Hinweis:
Bei jeder Mittelohrentzündung, vor allem wenn sie nicht konsequent behandelt wird, besteht die Gefahr eines Sekretstaus im Mittelohr. Ein solcher Mittelohrerguss (Serotympanon) kann chronisch werden und zur Zerstörung der Gehörknöchelchen und damit zu Schwerhörigkeit führen. Ein Mittelohrerguss muss längere Zeit mit schleimlösenden Medikamenten, abschwellenden Nasentropfen und Rotlicht behandelt werden, bis er abfließt.

Quelle: Kinderkrankheiten, Dr. Keudel

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